Die Mär vom (moderat) fürsorglichen Onkel: Vorstand behauptet – wir stellen klar.

Moin Holstein-Fans!

Wer die vorletzte Woche Nachrichten rund um unsere KSV verfolgt hat, der hat vom Beschluss der Kieler Ratsversammlung gehört, den Stadion-Neubau auszuschreiben – und zwar in einer Form, die ganz klar Wünsche und Forderungen der IGHS aufgreift! Gleichzeitig gab es eine kleine politische Debatte rund um die Ticketpreise, zu denen sich auf Nachfrage dann doch mal der Vorstand geäußert hat.

Fangen wir mit dem Positiven an: Die Ausschreibung ist beschlossen! In der vorliegenden Form ist das ein erster Meilenstein, denn wie bereits in unserem letzten Statement erläutert, finden wir viele unserer Forderungen wieder. Bislang war der Austausch mit den Verantwortlichen der Stadt Kiel also zielführend, sodass wir (vorsichtig) hoffnungsfrohauf das weitere Geschehen blicken können. Als schöne Dreingabe hat die Ratsversammlung auch noch beschlossen, die neue Straße am Stadion in Ernst-Möller-Straße zu benennen. Dank gilt Gruppo Ernesto, dieses angestoßen zu haben!

In der gleichen Sitzung der Ratsversammlung fand eine Diskussion über die „moderate“ Preiserhöhung bei den Tickets statt. Und vorweg: Das war ernüchternd. Worum ging es? Auf Antrag einer Fraktion sollte die Ratsversammlung an die KSV Holstein appellieren, die Preiserhöhungen bei den Tickets zu überdenken und familienfreundlicher zu gestalten. Zur Erinnerung: Die neuen Ticketpreise belasten gerade diejenigen von uns übermäßig, deren Geldbeutel zunehmend leerer wird, nämlich Alte, Geringverdienende, Jugendliche & Kinder, Familien. Und in Hinblick auf Kinder und Jugendliche ist es einfach nicht zu verstehen, warum der Verein seine zukünftigen Vollzahler so drangsaliert. 

Zurück zum Antrag. Es ging also um einen Appell, einen Aufruf. Man kann es auch Wunsch nennen, denn es liegt in der natürlichen Sache eines solchen Aufrufes, dass er nicht verpflichtend ist. Natürlich kann die Ratsversammlung den Vorstand nicht zwingen, die Ticketpreise zu ändern. Das war, so haben wir es nicht anders verstehen können, auch nicht die Absicht des Antragsstellers. Es ging lediglich darum, die Unverhältnismäßigkeit der Preisgestaltung anzumahnen und auf die soziale Verantwortung des Vereins hinzuweisen. Leider zeigten (außer der Fraktion des Antragsstellers und einer weiteren) die Ratsmitglieder, dass sie nicht willens sind, einen solchen Aufruf mitzutragen: Da wurde u.a. argumentiert, der Antrag sei nicht zielführend und deshalb abzulehnen; man sei nicht zuständig, und er sei deshalb abzulehnen; er berühre etwas, worauf man nicht Einfluss nehmen könne, und sei deshalb abzulehnen; eine Preisänderung im Nachgang sei nicht möglich, daher ablehnen; der Verein könne verärgert werden und bei zukünftigen Pachtverhandlungen ungehalten sein, daher sei der Antrag abzulehnen; der Antrag habe keine Aussicht auf Erfolg und sei daher populistisch und müsse abgelehnt werden…

Chance vertan, sich klar und deutlich zu einem Stadion für alle zu positionieren und den Verein an seine gesellschaftliche Verantwortung zu erinnern. Das ist nach den durchweg guten Gesprächen, die wir mit den politischen Vertretern führen konnten, schade.

Immerhin hat die Berichterstattung über diese Ratsversammlung dazu geführt, dass der Vorstand uns einenEinblick in seine Sicht der Dinge gewährte. In den Kieler Nachrichten vom 20.07. äußerte das Präsidium drei Dinge:

1. Aussage: Im Stehplatzbereich kostet eine U14-Karte 10 Euro, 14 Euro für die Begleitung.

Das ist der Preis für den Block G, den unüberdachtenStehplatzbereich mit ca. 200 Plätzen. Dieser Bereich macht 1,3% der Stadionplätze aus. Ein ganz schlecht gewähltes Beispiel, das überhaupt nicht das eigentliche Problem berührt. Und im Regen oder in der prallen Sonne harren zu müssen, ist sicherlich nicht familien- oder kinderfreundlich.

2. Aussage: 50% der Tickets sind Einzeltickets, die im „Schnitt um bis zu 50 Prozent unterhalb der Tages-Ticketpreise in der Bundesliga“ lägen.

Es ist nicht ersichtlich, wo der Vorstand diese Zahlen hernimmt:

Holstein ruft im Stehplatzbereich 10 bzw. 12 Euro auf. Der Durchschnittspreis für eine U14-Sitzplatzkarte beträgt 33,70Euro.

Folgen wir der Aussage, so beträgt der Bundesligadurchschnitt für einen U14-Steher mindestens 20 Euro und für einen U14-Sitzplatz mindestens 65 Euro. Selbst wenn wir Holsteins günstigstes U14-Sitzplatzticket für 25 Euro als Grundlage nähmen, müsste der Bundesligadurchschnitt bei 50 Euro für eine U14-Sitzplatzkarte liegen.

Die Aussage ist einfach nicht wahr. Wir lassen uns gerne aufklären und freuen uns, wenn der Vorstand uns offenbart, wie er zu seiner Aussage kommt.

Außerdem hat die vergangene Saison gezeigt, dass der Kartenverkauf an den Tageskassen immer weiter abgenommen hat, da durch das gestiegene Interessen an Holstein Kiel der Vorverkauf durch Mitglieder und Bestandskunden deutlich zugenommen hat. So gesehen spielt die Preisgestaltung der Tageskarten eine immer weiter untergeordnete Rolle und berührt nicht die Preisbelastung derer, die seit Jahren als treue Fans Holstein zu dem Stadion-Erlebnis machen, was es ist, oder zukünftig machen wollen.

3. Aussage: Kinder bis 6 Jahren können als sog. Schoßkinder kostenlos mit ins Stadion

Hiervon ausgenommen sind laut Stadionordnung die Stehplatzbereiche H und I. Sind Schoßkinder eine gute Sache? Ja! Ist das besonders? Nein, in fast allen Bundesligastadien ist dies für Kinder zwischen 3 und 6 Jahren kostenfrei möglich, z.B. bei St. Pauli, Dortmund (1€), Augsburg, Leverkusen, Frankfurt, Freiburg, Hoffenheim, Mainz oder Leipzig. In nicht genannten Stadien kommen noch z.T. stark verbilligte Tickets hinzu. In Kiel ist noch die Besonderheit, dass in den Ticketbestimmungen zwar von Kindertickets die Rede ist, aber sonst nirgends steht, was das eigentlich bedeutet…

Für alle Aussagen gilt außerdem, dass Vereinsmitglieder der KSV in der Regel ein Vorkaufsrecht haben. Dadurch entfallen zwar die Gebühren der Tageskasse, aber es entstehen indirekt andere: Bei einer passiven Mitgliedschaft beträgt der monatliche Beitrag 8 Euro. Gehen wir von einer Saison mit 17 Heimspielen aus, so zahlt man als Vereinsmitglied im Vorverkauf pro Spiel 5,65Euro obendrauf. 

Wir sind erstaunt, warum der Vorstand öffentlich mit solch falschen oder schlecht gewählten Zahlen argumentiert. Am Ende dieser Woche bleibt also ein fahler Beigeschmack, auch wenn er zu erwarten war. Wir begrüßen, dass der Vorstand doch noch an der öffentlichen Diskussion teilnimmt. Aber wir bezweifeln, dass es ihm ernst ist mit einem Stadion für alle! Ob man dem Verein hier zu seiner Beständigkeit gratulierendarf, überlassen wir der Bewertung anderer.

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